„Buchhandlungen wird es auch noch in zehn Jahren geben!“ - Interview mit der Buchhändlerin Annissa Kahla

Veröffentlicht am 30.06.2020 in Allgemein

Annissa Kahla in ihrem Buchladen MANAR in Kirchheimbolanden

KIRCHHEIMBOLANDEN: Interview mit Buchhändlerin Annissa Kahla aus Kirchheimbolanden über die Coronakrise. Im Interview spricht die gebürtige Algerierin, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes, die in Algier und Mainz einen Magister in Germanistik und Romanistik machte, über die Auswirkungen der Coronakrise auf den Buchhandel insgesamt und ihr kleines Geschäft Manar. Alles in allem stellt sie fest, dass die Menschen sehr solidarisch während der Krise waren und der Buchverkauf konstant geblieben sei. Lest selbst!

Wie hast du die Zeit im Lockdown erlebt?

Man muss ehrlicherweise sagen, Buchhändler hatten während des Lockdowns eigentlich Glück. Die Menschen haben auch weiterhin Bücher gebraucht und auch gekauft, obwohl der Laden geschlossen war. Über Social Media, Mail und Telefon konnten die Menschen bei mir Bücher bestellen. Ich habe dann einen Lieferservice etabliert, die Bücher wurden postalisch oder per Hauslieferung zugestellt. Bezahlt wurden dann per Überweisung.

Sind die Kunden in dieser Zeit denn treu geblieben?

Ja, auf jeden Fall, die Kunden waren auch weiterhin treu. Eigentlich hatten wir Buchhändler ein wenig Glück. Schließlich haben die Menschen auch weiterhin Bücher gebraucht. Man konnte zwar nicht in den Laden gehen, aber viele haben trotzdem per Telefon, Mail und Social Media bestellt. Ich war jeden Tag zwei bis drei Stunden im Buchladen, um die Bücher auszupacken, sonst habe ich von zu Hause aus gearbeitet. Insgesamt betrachtet ist der Buchverkauf eigentlich konstant geblieben. Was fehlte, war die Laufkundschaft und die Leute von außerhalb, die Postkarten und andere Nonbooks kaufen.

Wie betrachtest du die Konkurrenz von amazon und Co?

Eigentlich emfinde ich amazon gar nicht als Konkurrenz. Ich habe es auch nie als solches empfunden. Zum einen wurde bei vielen Menschen gerade durch die Coronakrise ein Bewusstsein geschaffen auch beim lokalen Händler vor Ort zu bestellen. Viele haben dann auch gemerkt, dass das sogar schneller als amazon geht. Insgesamt waren die Menschen sehr solidarisch. Es wäre schön, wenn dieser Trend anhält.

In Presse, Funk und Fernsehen ist immer wieder die Rede vom Sterben der Buchhandlungen, wie siehst du das?

Wird es in zehn Jahren noch Buchhandlungen geben? Ja, auf jeden Fall! Buchhandlungen wird es auch noch in zehn Jahren geben. Meiner Meinung nach ist das Panikmache der Presse, wie auch die Behauptung, dass Kinder nicht lesen würden. Zum einen haben die Kollegen fast immer Azubis und viele davon wählen auch den Weg in die Selbständigkeit. Zum anderen ist eine Buchhandlung für viele Menschen auch ein Erlebnis, das man so bei amazon nicht hat. Außerdem fehlen die Beratung und der individuelle Kontakt. Auch der Trend zu E-Büchern hat sich nicht wirklich durchgesetzt. Selbst viele junge Kunden lesen lieber auf Papier, wollen die Seiten umschlagen und das Papier riechen. Man muss Bücher erleben, sage ich immer. Und dann darf man natürlich auch nicht das Geschäft mit den Schulbüchern vergessen. Da sind Eltern immer sehr froh über gute Beratung. Außerdem machen wir auch viele Aktionen.

Welche denn?

Es gibt zahlreiche Aktionen des Börsenvereins des deutschen Buchhandels. Zum Beispiel „Ich schenke dir eine Geschichte“ zum Welttag des Buches jedes Jahr im April oder die Lesetüte zu Schulbeginn und natürlich darf man den Bundesvorlesewettbewerb im November nicht vergessen. Wir wollen Kindern die Liebe zu Büchern näherbringen.

Zum Abschluss, welches Buch kannst du zurzeit empfehlen?

Oh, das ist natürlich schwierig, ich könnte hunderte Bücher empfehlen. Mein aktueller Favorit ist der Roman „Ich bleibe hier“ von Marco Balzano, der eben erschienen ist. Die berührende Geschichte einer Frau in einem Dorf in Südtirol in der Zeit von 1911 und den Fünfziger Jahren. Zwischen 1939 und 1945 müssen sich die Leute entscheiden: entweder nach Deutschland auszuwandern oder als Bürger zweiter Klasse in Italien zu bleiben. Trina entscheidet sich zu bleiben, aber die Faschisten verbieten ihr, als Lehrerin tätig zu sein. Sie beschließt, heimlich zu unterrichten. Ein weiterer Teil des Romans basiert auf wahre Begebenheiten, dem Bau eines Stausees. Sehr empfehlenswert!

Vielen Dank für das ausführliche Interview!

Das Interview wurde von Jonathan Kreilaus durchgeführt. Weitere Informationen zur Buchhandlung Manar findet ihr unter https://www.manarbuchladen.de/ Oder schaut doch einfach mal persönlich vorbei! 

Manar Buchladen

Vorstadt 12
67292 Kirchheimbolanden

 

 
 

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Gustav Herzog. Für die Region.

Jaqueline Rauschkolb (MdL)

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